Handgepäck-Maße 2026: Was bei welcher Airline wirklich mitdarf
Ein Koffer, sechs Airlines, sechs Regeln – und am Gate steht der Messkäfig. Seit dem 19. Mai 2026 ist im günstigsten Lufthansa-Tarif kein Kabinenkoffer mehr enthalten. Was jetzt gilt und mit welchem Maß du überall durchkommst.
Handgepäck war jahrzehntelang die letzte Selbstverständlichkeit im Flugpreis. Das ist seit diesem Sommer vorbei – ausgerechnet bei der Airline, bei der man es am wenigsten erwartet hätte. Gleichzeitig hat die EU beschlossen, genau das rückgängig zu machen. Beides passiert im selben Jahr, und dazwischen stehst du mit einem Koffer am Gate.
Sortieren wir das.
Was sich am 19. Mai 2026 bei Lufthansa geändert hat
Seit dem 19. Mai 2026 gibt es bei Lufthansa den neuen Einstiegstarif Economy Basic – und darin ist kein Kabinenkoffer mehr enthalten. Mitgenommen werden darf nur noch ein persönlicher Gegenstand: Laptoptasche, Rucksack, Handtasche, maximal 40 × 30 × 15 cm, und der muss unter den Vordersitz passen.
Wer einen Handgepäckkoffer will oder Gepäck aufgeben möchte, zahlt ab 15 Euro zusätzlich. Die Regelung gilt konzernweit, also auch bei Eurowings, Swiss und Austrian Airlines.
Damit endet eine jahrzehntelange Praxis, und für die Buchung heißt das: Der angezeigte Lufthansa-Preis ist nicht mehr automatisch mit dem verglichen, was Ryanair anzeigt. Du musst bei beiden dasselbe Paket zusammenklicken, bevor du zwei Zahlen nebeneinanderlegen kannst.
In den höheren Lufthansa-Tarifen bleibt es beim Gewohnten: ein Kabinenkoffer bis 55 × 40 × 23 cm mit 8 kg, plus den persönlichen Gegenstand.
Die Maße im Vergleich (Stand 2026)
| Airline | kostenlos dabei | größeres Handgepäck | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Lufthansa, Economy Basic | 40 × 30 × 15 cm | ab 15 € zubuchbar | – |
| Lufthansa, höhere Tarife | 40 × 30 × 15 cm | 55 × 40 × 23 cm | 8 kg |
| Ryanair | 40 × 30 × 20 cm | 55 × 40 × 20 cm (nur mit Priority) | – |
| easyJet | 45 × 36 × 20 cm | zubuchbar | 15 kg |
| Eurowings, Basic | 40 × 30 × 25 cm | 55 × 40 × 23 cm (Option) | im Basic ohne Limit |
| Wizz Air | 40 × 30 × 20 cm | 55 × 40 × 23 cm (kostenpflichtig) | – |
| Condor (seit 1. Mai 2026) | 40 × 30 × 10 cm | 55 × 40 × 20 cm (Economy Classic) | zusammen 8 kg |
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Beim kostenlosen kleinen Gepäckstück ist Condor mit 10 cm Tiefe der strengste Wert im Feld – dort passt kein normaler Rucksack mehr durch, sondern nur eine flache Tasche. Zweitens: easyJet ist mit 45 × 36 × 20 cm und 15 kg der großzügigste Anbieter bei der kostenlosen Mitnahme, und das mit deutlichem Abstand.
Das eine Maß, das fast überall passt
Wenn du einen Koffer kaufst, der auf allen sechs Airlines funktioniert, ist die Rechnung einfach: Du nimmst von jeder Spalte den kleinsten Wert.
Für das große Handgepäck ergibt das 55 × 40 × 20 cm. Ryanair und Condor setzen die Tiefe auf 20 cm; Lufthansa, Eurowings und Wizz erlauben 23 cm. Ein Koffer mit 20 cm Tiefe passt also überall, ein Koffer mit 23 cm bei zwei von sechs nicht.
Beim Gewicht ist 8 kg die bindende Grenze, weil Lufthansa und Condor dort liegen. easyJets 15 kg helfen dir nichts, wenn du im selben Jahr auch mit Lufthansa fliegst.
55 × 40 × 20 cm und unter 8 kg – das ist das Maß, mit dem du nie diskutieren musst. Und ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Achte beim Kauf darauf, dass die Herstellerangabe die Rollen und den Griff einschließt. Viele Koffer werden mit dem Korpusmaß beworben und sind mit Rollen zwei bis drei Zentimeter höher – genau die zwei Zentimeter, an denen der Messkäfig scheitert.
Warum das Gewicht öfter zum Problem wird als die Maße
Die Maße prüfst du einmal beim Kauf, danach nie wieder. Das Gewicht ändert sich bei jeder Reise.
Ein leerer Hartschalenkoffer dieser Größe wiegt selbst schon zwischen 2 und 3 kg. Bei einer 8-kg-Grenze bleiben dir also grob 5 kg Inhalt. Ein Laptop mit Netzteil frisst davon rund 2 kg. Rechne das einmal ehrlich durch, bevor du packst – nicht am Flughafen.
Zwei Dinge, die dabei helfen: Schuhe und Jacke sind die schwersten Einzelposten und gehören an den Körper, nicht in den Koffer. Und der persönliche Gegenstand wird bei vielen Airlines nicht gewogen, sondern nur gemessen – schwere, kleine Dinge wie Kabel, Powerbank und Buch gehören deshalb in den Rucksack unter dem Vordersitz.
Und ein Detail, das in der Tabelle leicht untergeht: Eurowings nennt im Basic-Tarif überhaupt kein Gewichtslimit für das kostenlose kleine Gepäckstück, dafür aber mit 40 × 30 × 25 cm die großzügigste Tiefe im ganzen Feld. Wenn du schwere kleine Dinge transportierst – Bücher, Kameratechnik, Werkzeug –, ist das die mit Abstand entspannteste Kombination im Vergleich. Bei Lufthansa und Condor wäre derselbe Rucksack sowohl zu tief als auch zu schwer. Es lohnt sich also, die Gepäckregeln nicht erst nach der Flugauswahl zu lesen, sondern währenddessen.
Was die EU ab 2027 ändert
Mitte Juni 2026 haben sich Rat und Europäisches Parlament auf eine Reform der Fluggastrechte geeinigt; am 7. Juli 2026 hat das Parlament über das Vermittlungsergebnis abgestimmt. Der für dich relevante Punkt: Handgepäck muss künftig standardmäßig im angezeigten Flugpreis enthalten sein – ein persönlicher Gegenstand und ein kleiner Kabinenkoffer.
Die Position des Parlaments sieht dafür eine Obergrenze von 100 cm Summe aus Länge, Breite und Höhe bei maximal 7 kg vor. Wirksam werden die neuen Bestimmungen ab der zweiten Jahreshälfte 2027.
Das heißt praktisch zweierlei. Erstens: Die Lufthansa-Änderung vom Mai hat ein Verfallsdatum – sie gilt für rund ein Jahr, dann greift die EU-Regel. Zweitens: Bis dahin ändert sich für dich nichts. Wer 2026 fliegt, plant nach den Tarifen von 2026, nicht nach der Verordnung von 2027. Und Vorsicht mit der 100-cm-Rechnung: 55 + 40 + 20 sind exakt 115 cm. Wie die Airlines das am Ende umsetzen, ist noch nicht ausgemacht.
Am Gate: wie die Kontrolle wirklich abläuft
Der Messkäfig steht selten am Check-in und fast immer am Gate, kurz vor dem Boarding. Kontrolliert wird nicht bei allen, sondern stichprobenartig – und deutlich häufiger bei vollen Fliegern, weil dann der Stauraum über den Sitzen knapp wird.
Wenn dein Koffer nicht in den Käfig passt, wird er am Gate aufgegeben. Das kostet, und zwar spürbar mehr als bei der Buchung: Die Gate-Gebühren der Billigairlines liegen regelmäßig beim Mehrfachen des Preises, den derselbe Koffer online gekostet hätte. Wer schon beim Packen ahnt, dass es eng wird, bucht das Gepäckstück vorher dazu – das ist der teuerste vermeidbare Fehler auf jeder Flugreise.
Zwei Details, die oft überraschen: Duty-free-Einkäufe zählen bei manchen Airlines als zusätzliches Gepäckstück, bei anderen nicht. Und bei Anschlussflügen gilt die strengste Regel der beteiligten Airlines, nicht die der ersten. Wer mit Lufthansa nach Wien fliegt und dort in einen Ferienflieger umsteigt, richtet sich nach dem strengeren der beiden Werte.
Was du außerdem nicht ins Handgepäck packen darfst und wie die 100-ml-Regel für Flüssigkeiten an den einzelnen Standorten gehandhabt wird, steht unter Abflug & Kontrolle; die Wege und Zeiten an den großen deutschen Flughäfen findest du unter Die Flughäfen.
Der Vergleich, den du vor der Buchung machen solltest
Weil Handgepäck jetzt bei fast allen Anbietern ein separat bepreistes Produkt ist, ist der Ticketpreis allein keine sinnvolle Vergleichsgröße mehr. Rechne stattdessen so:
Nimm den angezeigten Preis, addiere die Gebühr für das Gepäckstück, das du wirklich brauchst, und addiere bei Ryanair und Wizz die Sitzplatzwahl, falls ihr zu zweit nebeneinandersitzen wollt. Erst diese Summe ist vergleichbar. Bei kurzen Städtereisen mit wenig Gepäck bleibt der Billigflieger dabei oft vorn; sobald ein Koffer und ein fester Sitzplatz dazukommen, schrumpft der Abstand zur Lufthansa regelmäßig auf wenige Euro.
Wie der Ablauf am Abflugtag konkret aussieht, steht am Beispiel unter Abflug Stuttgart; die Regeln für Flüssigkeiten habe ich unter Flüssigkeiten im Handgepäck getrennt aufgeschrieben.
Wer speziell mit Ryanair fliegt, sollte das zweistufige System aus kostenlosem Kleingepäck und kostenpflichtigem Kabinengepäck kennen, beschrieben unter Ryanair Handgepäck.
Lufthansas eigenes System aus Kabinengepäck und persönlichem Gegenstand, inklusive der neuen Economy Basic seit Mai 2026, steht im Detail unter Lufthansa Handgepäck.
Was zusätzlich zur Gepäckgröße bei Akkugeräten wie Zahnbürste, Rasierer und Powerbank zu beachten ist, steht unter Elektrische Zahnbürste im Flugzeug.
Wie sich Rucksäcke speziell am Gate kontrollieren lassen, mit Extend-Rahmen und Kompressionsriemen, steht unter Rucksack als Handgepäck.
Alle Angaben entsprechen dem Stand 2026. Die Airlines ändern ihre Gepäckregeln inzwischen mehrfach im Jahr – Condor hat seine zum 1. Mai angepasst, Lufthansa zum 19. Mai. Prüfe die Maße deshalb immer in deiner konkreten Buchungsbestätigung, denn dort steht der Tarif, den du tatsächlich gekauft hast. Und wenn du dir nur eine Zahl merken willst: 55 × 40 × 20 Zentimeter, acht Kilo. Damit kommst du 2026 überall durch.
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